Sebastian Kurz, Chef der Jungen ÖVP, spricht im Interview mit der "Presse" über den alternden Discogeher FPÖ-Chef Strache, den schwerfälligen SPÖ-Bürgermeister Häupl und seine Forderungen für Wiens Jungwähler.
„Die Presse": Sie sollen im Marek-Team v.a. Junge ansprechen. Wie?
Sebastian Kurz: Wien soll eine moderne Jugendmetropole werden. Es geht darum, die Lebensqualität für die Jungen zu steigern. Wir werden aber grundsätzlich gegen alles, was uns stört, ankämpfen.
Gegen was zum Beispiel?
Kurz: In Wien gibt es einen Privilegiensumpf für Stadtbedienstete. Wien ist eine Stadt, die 65.000 Beamte hat, während Brüssel mit 30.000 auskommt. Wien hat einen Bürgermeister Häupl, der es mit Fiakermentalität lenkt und keinen Biss und Schwung hat, um Wien zu einer Weltstadt zu machen.
Eine schöne Wahlrede. Aber was bieten Sie den Jungen konkret an?
Kurz: Wir haben die 24-Stunden-U-Bahn durchgesetzt. Schritt für Schritt geht es weiter. Jetzt kämpfen wir gerade für Gratis-WLAN an allen öffentlichen Plätzen. Das gibt es in anderen internationalen Großstädten. Nur in Wien wehrt sich der Bürgermeister nach wie vor gegen unsere Idee.
Die SP-Stadtregierung selbst bietet den Jungen vieles an: Events, Lokale, Feste. Wie wollen Sie da konkurrieren?
Kurz: Es stimmt, Wien ist eine wunderschöne Stadt und hat viel Lebensqualität für Junge. Das ist aber nicht das Verdienst des Bürgermeisters. Wir merken, dass jede moderne, jede neue Idee behindert wird. Bei allen Ideen, die Wien eine Spur moderner und lebenswerter machen würden, gibt es den schwerfälligen Bürgermeister, der sich dagegen wehrt.
FPÖ-Chef Strache kommt bei den Jungen gut an - weil er so viel unterwegs ist und nahe am Wähler.
Kurz: Das war einmal so, bei den letzten drei Landtagswahlen würde ich das nicht unterschreiben. Auch im Burgenland war bei den unter 30-Jährigen die ÖVP klar die Nummer eins und Strache weit abgeschlagen. Es gibt keinen Grund, Furcht oder Sorge zu haben. Strache ist ein gealterter Discogeher, der zwar gerne Sprüche klopft, aber bei Jungen nicht mehr gut ankommt. Die blaue Gefahr bei den Jungen gibt es nicht.
Aber Sie sind sicher auch gerne nahe beim Jungwähler...
Kurz: Natürlich bin ich dort unterwegs, wo junge Leute sind. In Lokalen, Clubs, Discos. Aber es kommt drauf an, wie authentisch man ist. Bei Strache wirkt es aufgesetzt und übertrieben.
Interessieren sich Jungwähler überhaupt für Politik?
Kurz: Junge interessieren sich genauso wenig oder viel für Politik wie andere Altersgruppen. Man muss daher auf Junge genauso zugehen, wie auf andere Menschen. Mir als 23-Jährigen fällt das nicht schwer - im Gegensatz zu manchen älteren Politikern.
Das heißt, es gibt auch keine Politikverdrossenheit bei den Jungen?
Kurz: Die gibt es nur, wenn Politiker herumeiern, keine klaren Botschaften finden und sich nicht trauen, den Jungen dort zu begegnen, wo sie sich aufhalten.
16 als Wahlalter ist okay?
Ich finde es eine absolute Selbstverständlichkeit, dass man ab 16 wählen darf. Ich glaube, dass jeder 16-Jährige imstande ist, eine ordentliche Entscheidung zu treffen.
Senioren haben eine starke Lobby. Gefährden deren Pensionsforderungen die Zukunft der Jugend?
Kurz: Es geht nicht darum, Pensionisten etwas wegzunehmen, sondern darum, dass es irrsinnig viele Privilegien und Schlupflöcher im Pensionssystem gibt. Etwa Invaliditätspensionen, Hacklerregelung, wahnsinnige Frühpensionierungen im öffentlichen Dienst, bei den ÖBB, bei der Stadt Wien. Das sind die Dinge, wo unser Pensionssystem an die Wand fährt. Und - man müsste das Tatsächliche ans gesetzliche Pensionsalter anpassen.
Könnte es einen Aufstand, einen Konflikt der Generationen geben?
Kurz: Ich glaube, dassein Konflikt der Generationen droht, wenn man bei Privilegien der Frühpensionisten nichts ändert. Dann fährt unser System an die Wand, und das können sich die Jungen nicht länger gefallen lassen.
Wie sieht Ihr Wahlziel aus?
Kurz: Ich möchte dazugewinnen. Persönlich wichtig ist mir, dass die absolute Mehrheit der SPÖ gebrochen wird. Das würde in die Stadt Wien mehr Bewegung und Schwung bringen.
Zur Person Sebastian Kurz
Der neue Shootingstar der Wiener ÖVP, der bei den Jungen Stimmen holen soll, wurde am 27.August 1986 in Wien geboren und studiert Jus. Er ist seit 2008 Obmann der Wiener Jungen Volkspartei und seit 2009 Bundeschef der JVP. In Wien kandidiert er auf einem der vordersten Listenplätze. Die Idee, in Wien eine 24-Stunden-U-Bahn einzuführen, geht auf Kurz zurück.
Quelle: "Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2010
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